Mund- und Zahnpflege

Zahnärztliches Lexikon - Sonderbeitrag

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Mundhygiene / Zahnpflege

Die tägliche Mundhygiene ist das A und O zur Gesunderhaltung der Zähne und eines gesunden Atems. Neben der richtigen Systematik und Technik des Zähneputzens spielen auch Dinge wie die Art der Zahnbürste oder eine Prophylaxe mit Fluoriden eine entscheidende Rolle bei der Verhütung von Karies- und Zahnfleischerkrankungen.

Das Angebot an Zahn- und Mundpflegemitteln ist fast unüberschaubar; die Werbung preist die jeweiligen Firmenprodukte mit den höchsten Vorzügen - häufig auf dem Niveau einer Waschmittelreklame - an. Die nachfolgende Zusammenstellung soll eine Entscheidungshilfe sein.


Es gibt verschiedene Zahnputztechniken beim Gebrauch der Handzahnbürste (z.B. nach Bass, Stillmann oder Charters), welche sich im Ansetzen der Zahnbürste und in ihrer Bewegungsrichtung unterscheiden; über den Vorzug dieser oder jener Methode gibt es unterschiedliche Auffassungen. Viel wichtiger ist aber bei einem gesunden Zahnfleisch die Systematik des Putzens, welche stets nach dem gleichen, einmal fest eingeprägten Schema erfolgen sollte, um auch wirklich alle Zahnflächen einer gründlichen Reinigung zu unterziehen:

man beginnt im Oberkiefer rechts außen bei den hinteren Backenzähnen, reinigt dann die Außenseiten der Schneidezähne und Backenzähne der anderen Seite; dann ist auf die selbe Weise der Unterkiefer an der Reihe (Abb. li.). Nach der gleichen Systematik werden anschließend die Innenflächen der Zähne gereinigt (Abb. mi.). Abschließend wird eine Reinigung aller Kauflächen der Backenzähne durchgeführt (Abb. re.).
Vor dem Zähneputzen sollte der Mund mit Wasser gründlich ausgespült werden, um so frische Speisereste schon vor der eigentlichen Reinigung zu entfernen. Nach der Aufnahme von sauren Speisen und Getränken wird empfohlen, noch einige Zeit mit dem Putzen zu warten.


Zahnbürste

Kurzkopfzahnbürste (normal bis hart) mit einem geraden, kleinen Borstenfeld und "multitufted" (multitufted = vielbüschelig).

Borsten aus Kunststoff mit abgerundeten Enden. Keine Naturborsten, da diese von ihrer Struktur her Bakterienträger sind!

Ebenso wird vor zu harten Borsten abgeraten, da diese an dem relativ weichen Dentin freiliegender Wurzelhälse Schaden anrichten können: bei falscher Putztechnik bilden sich schnell keilförmige Vertiefungen am Zahnfleischsaum. Viele Bürsten auf dem deutschen Markt entsprechen leider nicht diesen simplen Anforderungen.

Etwa alle zwei Monate sollte die Zahnbürste gewechselt werden, da die Borsten verbraucht sind und ihre ausgefranzten Enden das Zahnfleisch verletzen können. Leider wechseln die Deutschen nach einer neuen Studie ihre Bürste statt 6 mal nur 1,8 mal im Jahr!


Elektrische
Zahnbürste


©: http://www.braun.de

Motiviert sehr zur Mundpflege besonders bei Kindern, indem es deren Spieltrieb unterstützt. Durch farbig gekennzeichnete Aufsteckbürsten für die ganze Familie geeignet; für Kinder gibt es spezielle Kinderzahnbürsten.
Neuste Untersuchungen aus der Schweiz (Prof.Saxer, Zürich) zeigen eindeutig die Überlegenheit von elektrischen Bürsten gegenüber den Handzahnbürsten. Für alte und behinderte Patienten das Mittel der Wahl. Zu den Borstenköpfen siehe weiter oben unter 'Zahnbürste'.

21% der Deutschen gebrauchen dieses sinnvolle Reinigungsmittel regelmäßig.

 


Elektronische
Schallzahnbürste


©:http://www.intersante.dsn.de

Als Weiterentwicklung der elektrischen Zahnbürste sind die jüngst auch auf dem deutschen Markt erhältlichen elektronischen 'High-Tech' Schallzahnbürsten (z.B. 'Water Pik' Sonic Speed®) zu verstehen. Statt eines konventionellen Elektromotors arbeiten diese Reinigungsgeräte mit Schallenergie im Hochfrequenzbereich und sind so mit 30.000 Bewegungen/Minute 10 mal schneller als eine elektrische und 100 mal schneller als eine Handzahnbürste. Das Zahnfleisch reagiert auf die wechselnden Druckveränderungen des Schalls mit einem erhöhten Ionenaustausch und wird durch diese 'Zellaktivierung' intensiver versorgt.
Ebenso verwandelt sich durch diesen Effekt die Zahnpasta in einen aktiven Schaum, der auch schwer zugängliche Stellen erreicht. Daraus resultiert eine:

deutliche Reduktion von Bakterien, Plaque und Zahnfleischentzündungen,

hervorragende Entfernung von Verfärbungen durch Nahrungs- und Genußmittel (z.B. Tee, Kaffee, Nikotin, Rotwein) bei geringer Abrasivität im Vergleich zu konventionellen Reinigungsmethoden.


Zahnzwischen-
raumbürste

auch unter dem Namen 'Interdentalbürste' bekannt; einbüschelige Bürste, die bei größeren Zahnzwischenräumen, Rückgang der Interdentalpapille oder lückiger Zahnstellung, sowie bei festsitzendem Zahnersatz und kieferorthopädischen Geräten eine große Hilfe sein kann. Guter Nutzen, aber wenig gebräuchlich; bei falscher Anwendung (zu kräftiges Putzen) sind Schäden an den Zähnen im oberen Zahnwurzelbereich möglich. Wie aus unten stehender Abbildung ersichtlich, reinigt nur die Interdentalbürste die Zahnzwischenräume bei nicht im engen Kontakt stehenden Zähnen zuverlässig. Zahnseide und Zahnhölzer können sich den Krümmungen des Zahnes nicht so gut anpassen.


Zahnseide/
Dental-Floss

 

Gutes Pflegemittel im Zahnzwischenraum und den Berührungspunkten (Kontaktpunkten) der Zähne im normalen Gebiß: man führt einen Textilfaden (Floss, gewachste oder unbehandelte Zahnseide) über die beiden Mittelfinger

und reinigt mit dem gespannten Teil mindestens einmal wöchentlich jeden Zwischenraum.

Eine Weiterentwicklung stellt die sog. Superfloss®-Zahnseide dar, welche vor allen Dingen zur Reinigung von festsitzenden kieferorthopädischen Apparaturen und Zahnbrücken empfohlen wird: einem kunststoffverstärkten Einfädelungsteil folgt erst ein flauschiger Nylonfaden und anschließend ungewachste Zahnseide.
Diese Säuberung schwer zugänglicher Stellen ist eine effektive aber auch sehr zeitaufwendige (der vollbezahnte Kiefer hat 30 Zahnzwischenräume!) Reinigungsmethode.
14% der Deutschen gebrauchen dieses sinnvolle Reinigungsmittel regelmäßig.

Leichter soll die Reinigung nach Herstellerangaben mit der 'elektrischen Zahnseide' - einer Art elektrischer Zahnbürste nur für die Zahnzwischenräume (Handelsname 'Interclean®' der Fa. Oral B) - sein. Erste klinische Untersuchungen zeigen der Zahnseide ebenbürtige Ergebnisse, wenn die Reinigungsdauer pro Zahnzwischenraum nur kurz ist; ab einer Dauer von 5 Sek./ Zwischenraum ist die normale Zahnseide deutlich besser. Zusätzlich schlägt jede Behandlung - bedingt durch den Einmalcharakter der Reinigungsspirale - mit 0,25 DM zu Buche.


Munddusche

Probates, aber weniger effektives Reinigungsgerät als Zahnseide; für Zahnzwischenräume und unter festsitzenden prothetischen Versorgungen (Brücken). Die Anwendung sollte nach dem Zähneputzen erfolgen. Ersetzt keinesfalls die Zahnbürste! Siehe auch im Lexikon.

11% der Deutschen gebrauchen dieses unterstützende Reinigungsmittel regelmäßig.


Zahnhölzer
("Zahnstocherr")

Wenn's denn gar nicht anders geht: Zur Säuberung der Zahnzwischenräume nach faserigem Essen. Wegen einer Verletzungsgefahr des Zahnfleisches nur medizinische, mit Fluoriden präparierte Hölzer verwenden.
Ihre Mitmenschen sind für eine diskrete Anwendung dankbar!


Zahnpasta

Eine mechanische Zahnreinigung kann man mit der Reinigung eines Glases vergleichen: nur mit Wasser, also ohne benetzende Zusatzstoffe, ist dies nur sehr erschwert möglich. Die Zahnpasta dient hauptsächlich dazu, die Beläge (Plaque) zu entfernen. Zur besseren Wirkung dieses Reinigungsvorgangs werden ihr deshalb Netzmittel sowie Abrasiv- bzw. Polierstoffe zugefügt. Gleichzeitig erfolgt bei den heute gebräuchlichen Pasten eine Anreicherung mit Fluoriden (maximal 0,15%; bei Kindercremes 0,025%), deren kariesschützende Wirkung weltweit nicht in Frage gestellt wird, bzw. mit plaquehemmenden Zusätzen. Diese Anreicherung ist häufig nicht unproblematisch, da die Zusatzstoffe mit den Pastenbestandteilen eine Reaktion eingehen können, und dann im Prinzip wirkungslos sind.
Noch nicht befriedigend gelöst ist die schmerzstillende Wirkung bei empfindlichen Zahnhälsen, eine anhaltende Beeinflussung des Mundgeruchs und eine schonende Entfernung von Verfärbungen.
Bei freiliegenden Zahnhälsen spielt der Abrieb der Zahnpasta eine wichtige Rolle. Während es dem Zahnschmelz als der härtesten Körpersubstanz ziemlich egal ist, wie stark die Schmirgelstoffe in der Creme sind, reagiert das Dentin der Zahnwurzel bei freiliegenden Zahnhälsen - besonders bei falscher Putztechnik - empfindlich darauf. Es entstehen die sog. 'keilförmigen Defekte' an den Zahnaußenseiten. Ebenso reagiert herausnehmbarer Zahnersatz empfindlich auf die Schmirgelstoffe (==> Reinigung von Zahnersatz).
Die Zahnpasten unterliegen in Deutschland nicht dem Arzneimittelgesetz, sondern fallen als Pflegemittel unter die Kosmetikaverordnung. Deshalb ist eine Angabe von Inhaltsstoffen auf der Verpackung nicht vorgeschrieben. Seriöse Pasten haben nichts zu verbergen und weisen diese selbstverständlich aus. Eine gute Zahnpasta sollte unter folgenden Kriterien ausgewählt werden:

mild bis normal abrasive Putzkörper mit lagerbeständigem Fluorid. Den Aminfluoriden wird die beste Wirkung zugeschrieben.

kein Chloroform in den sonstigen Inhaltsstoffen, da Kunststoffüllungen o. -kronen davon angegriffen werden können.

bakterienabtötende (antibakterielle) Zusätze wie z.B. Chlorhexidin, Amin- und Zinnfluoridlösungen, Natriumlaurylsulfat, Sanguinarin.

angenehmer Geschmack, um die 'Mühe' des Putzens nicht noch zusätzlich zu belasten.

chemisch stabile Zusatzstoffe, damit keine Reaktion in der Tube mit den sonstigen Pastenbestandteilen erfolgen kann.

Zusatz von Fluoriden. Dabei ist die Art der Fluorverbindung von zweitrangiger Bedeutung.

Die Stiftung Warentest untersuchte im Juli '98 21 Zahnpasten und stellt davon 15 das Prädikat "sehr gut" aus. Fazit dieser Untersuchung:

bei einem erheblichen Preisunterschied der einzelnen Pasten (Aldi®: 0.80DM / 100ml ; meridol®: 6,40 DM / 100ml bei ähnlich guter Wirkung) sollte kostenbewußt eingekauft werden.

die häufig versprochene Langzeitwirkung ("den ganzen Tag über gegen Karies geschützt" oder ähnliche Sprüche) trifft nicht zu.

bei freiliegenden Zahnhälsen sollten nur Pasten mit geringem Abrieb (z.B. blend-a-med®, Thera-med®, aronal forte®) benutzt werden, um bei falscher Putztechnik den keilförmigen Defekten am Zahn vorzubeugen.

Eine groß angelegte Schweizer Studie vom März '98 gibt Empfehlungen und nennt dabei Handelsnamen:

Bei Patienten mit normalen Mundverhältnissen (ohne freiliegende Zahnhälse und Verfärbungen:
Elmex® rot, Mentadent C® microgranuli, meridol® und Candida Sensitive®; evtl. Candida® Fresh Gel, Candida® Peppermint, Colgate® Total, Dentagard®.

Bei Patienten, die wegen ihrer Verfärbungen etwas mehr Reinigungskraft benötigen:
Candida® (Fresh Gel, Peppermint, Sensitive) Colgate® Total, Mentadent® C, Dentagard®.

Bei Patienten mit freiliegenden Zahnhälsen, aber nur mäßigen Verfärbungen:
Elmex® rot, Mentadent® C microgranuli, meridol®, Candida® Sensitive.

Bei Patienten mit freiliegenden Zahnhälsen und starken Verfärbungen:
Candida® Sensitive.


Kaffee-, Tee- /

Raucherbeläge

 

kosmetisch störender bräunlich-gelber Belag, welcher durch Pigmente aus dem Tabakrauch und dem gebrannten Kaffee oder Tee verursacht wird. Mit konventienellen Mundhygienemaßnahmen kaum zu beseitigen.
Folgende Punkte sollten beachtet werden:

Die von der Industrie angepriesenen Zahncremes, welche weiße Zähne ohne Nebenwirkungen machen sollen, gibt es nicht; entweder enthalten sie starke Abrasivstoffe oder aber leichte Säuren -- beides äußerst schädliche Mittel bei einer Daueranwendung für den Zahn. Es gibt jedoch Pasten mit nicht so starken Abrasivstoffen, welche die fest aufliegenden Verfärbungen 'abschmirgeln'. Da diese Prozedur für die Zähne eine Belastung darstellt, sollte ein täglicher Gebrauch vermieden werden. Wegen einer Gefährdung des Zahnfleisches sollten keine Zahnbürsten mit harten Borsten gleichzeitig angewandt werden!

Die schonenste und sicherste Methode der Belagsentfernung ist eine professionelle Zahnreinigung in einer Zahnarztpraxis. Normale Verfärbungen können mit einer speziellen Polierpaste sachgerecht auch an schwer zugänglichen Stellen entfernt werden. Bei besonders starken Verfärbungen werden sog. Air-Flow-Geräte eingesetzt: unter Druckluft wird ein Salz-Wasser-Gemisch auf die Zahnoberfläche gesprayt und die Verfärbungen werden - ähnlich wie bei einem Dampf- oder Sandstrahler - weggesprüht. Allerdings sollte diese hochwirksame Therapie nicht öfter als 4 mal im Jahr erfolgen.

von den elektrischen Zahnbürsten haben sich besonders die bewährt, welche oszillierende Bewegungen ausführen oder - noch besser - mit Schallwellen arbeiten. Ein leicht 'kitzelndes' Gefühl beim Reinigen verschwindet nach mehrmaligem Gebrauch.

Das Zahnfleisch ist durch den Dauerreiz des Coffeins und der Rauchschadstoffe besonders gefährdet, häufigere Zahnfleischentzündungen sind die Folge. Eine besonders gute Mundhygiene ist deshalb unerläßlich.
==> Zahnbeläge.


Mundspülungen

Bis jetzt ist die Werbung für diese 'chemische Reinigung' um vieles besser als deren Wirkung! Der manchmal suggerierte Ersatz für die Zahnbürste ist Unfug; keine klinische Studie beweist diese Wirkung.
Anders verhält es sich bei den bakterienabtötenden Lösungen 'Chlorhexidin' o. Amin- und Zinnfluoridlösungen. Hier ist die unterstützende Wirkung bewiesen; diese Mittel werden gerade bei der Behandlung von Zahnfleischerkrankungen oder bei Kariesrisikopatienten nach ärztlicher Verordnung vorübergehend angewandt. Ebenso bewiesen ist die kariesvorbeugende Wirkung von (amin-) fluoridhaltigen Lösungen.
Die Mundspüllösung meridol® - eine Wirkstoffkombination aus Amin- und Zinnfluorid - ist in der Lage, die Aggressivität des plaqueartigen Zahnbelages um bis zu 40% zu senken. Schädliche Auswirkungen bei Langzeitanwendung sollen dabei - im Gegensatz zu Chlorhexidinpräparaten - nach derzeitigem Stand der Wissenschaft nicht bestehen. Einen Ersatz für die Zahnbürste sind aber auch diese Mittel nicht.
31% der Deutschen benutzen Mundspülungen regelmäßig.


Färbe-
tabletten

sog. 'Plaqueindikatoren' zum Sichtbarmachen der Plaque auf den Zahnflächen und der Mundschleimhaut. Die aus dem natürlichen und ungefährlichen Farbstoff Erythrosin bestehenden Tabletten werden zerkaut und färben bei vorhandener Plaque diese violett an. Fügt man den Tabletten noch den sog. 'Patentblau-Farbstoff' hinzu, lassen sich frische und alte Plaque unterscheiden. Ein anderes System - welches speziell für die Zahnarztpraxis geeignet ist - verwendet eine nur unter UV-Licht fluoreszierende Spüllösung, um dem Patienten die Gründlichkeit seiner Mundhygiene darzustellen. Bei normalem Licht bleibt diese Anfärbung unsichtbar.


Fluoridgelee
(s.a. Prophylaxe)

Konzentriertes Fluoridpräparat (rezeptpflichtig), welches nach Anweisung/unter Aufsicht des Zahnarztes meist wöchentlich einmal eingebürstet oder mittels einer Zahnschiene appliziert wird. Gelees härten den Zahnschmelz wesentlich stärker und dauerhafter als Zahnpasten.


Fluorid-
tabletten

(s.a. Prophylaxe)

Für Kinder bis etwa zum 12. Lebensjahr. Härten sowohl von innen wie von außen den Zahnschmelz. Äußerst wirksame Kariesverhütungsmethode; wird von einigen Medizinern wegen der Belastung des Gesamtorganismus abgelehnt. Dosierung siehe unter Nährstoffe.


Mundgeruch

Eines der häufig tabuisierten Themen ist der Mundgeruch. Als Ursache kommen in fast 90% der Fälle eine ungenügende Mundhygiene oder defekte Zähne bzw. erneuerungsbedürftige oder schlechte zahnärztliche Arbeiten in Frage. Weniger häufig sind erkrankte Mandeln, eine vereiterte Kieferhöhle, allgemeine Stoffwechselkrankheiten oder Magenerkrankungen die Ursache. Die sonst noch bekannten Gerüche von Knoblauch, Alkohol und Nikotin sollen hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden.

Der Geruch entstammt dem fauligen Zerfall von Nahrungsresten, welche durch den Kauakt und mangelnder Mundhygiene nicht aus der Mundhöhle dauerhaft entfernt werden. Ursache sind auch hier wieder Bakterienstoffwechselprodukte (meist schwefelhaltige Verbindungen) beim Abbau von Aminosäuren und Eiweißen. Beim Geruch dieses fauligen Zerfalls spielt die Menge des vorhandenen Speichels eine entscheidende Rolle; daher ist es einleuchtend, daß gerade morgens nach dem Aufwachen ein unangenehmer Geruch zu bemerken ist, da während des Schlafens die Speichelproduktion stark vermindert ist.
Jüngere Untersuchungen zeigen, daß die rauhe Zungenoberfläche eine besonders gute Grundlage für bakterielle Beläge und Essensreste bietet, welche überwiegend für den üblen Mundgeruch verantwortlich sein sollen. Sprechen und Schlucken bringen zwei Drittel der Zunge in Kontakt mit dem Gaumen, was dazu dient, diesen Teil der Zunge sauber zu halten. Zur Reinigung der Zungenoberfläche (besonders des hinteren Drittels) werden Schaber (z.B. Fa. Safident, München) und besonders feste Bürsten im Fachhandel angeboten. Beim Schaben ist darauf zu achten, daß die Zunge nur mit leichtem Druck gereinigt wird, da sonst die Zungenoberfläche verletzt werden kann.

Eine preiswerte und zuverlässige Behandlung von Mundgeruch ist bei einem intakten Gebiß regelmäßiges Zähneputzen, der Einsatz von Zahnseide (notfalls einer Munddusche), Zahnzwischenraumbürsten und evtl. eines Zungenschabers. Zusätzlich haben sich in hartnäckigen Fällen Spülungen mit verdünnter Wasserstoffsuperoxydlösung bewährt. Kurzfristig wirksam - da sie durch ihren Eigengeschmack den Mundgeruch 'parfümartig' überdecken - sind sog. Mundwasser, ohne die eigentlichen Ursachen wirkungsvoll zu bekämpfen.

Ausführlich im Lexikon unter 'Foetor ex ore' und Halitosis.


Reinigung der
"Dritten Zähne"

Herausnehmbarer Zahnersatz sollte - wie die eigenen Zähne - zwei- bis dreimal täglich gründlich außerhalb des Mundes gereinigt werden, denn auch auf diesen Ersatzstoffen können sich Bakterien und Zahnstein festsetzen und Entzündungen oder Mundgeruch hervorrufen. Auf keinen Fall zur Pflege Zahnpasta verwenden, denn die darin enthaltenen Schmirgelstoffe zerstören die hochglanzpolierte Oberfläche des Zahnersatzes.
Mit einer 'normalen' Zahnbürste oder auch speziellen Prothesenbürsten und einem Tropfen Spülmittel läßt sich der Zahnersatz optimal reinigen. Diesen danach gut abtrocknen und mit einem in Alkohol getränkten Wattestäbchen "desinfizieren". Da der Reinigungsvorgang i.d.R. über einem Waschbecken stattfindet, sollte dieses mit Wasser gefüllt oder mit einem Handtuch ausgelegt sein: bei einem Entgleiten des Ersatzstückes aus der Hand werden so Beschädigungen vermieden. Spezielle Reinigungspräparate (z.B. "Sprudeltabletten") haben keine bessere Wirkung, müssen aber teuer bezahlt werden.

 

Vorbeugung
(s.a. Prophylaxe)

Eine wirksame Vorbeugung besteht aus:

guter Mundhygiene

zahngesunder Ernährung

Zahnschmelzhärtung

regelmäßigem Zahnarztbesuch (z.B. durch ein Recall)


Individual-
prophylaxe

Auf die jeweilige Person abgestimmte Vorsorgemaßnahmen in der Zahnarztpraxis. Werden in der Regel von den Krankenkassen übernommen o. bezuschußt und bewirken bei vielen Krankenkassen eine Erhöhung des Zuschusses bei Zahnersatz.


professionelle Prophylaxe /
Zahnreinigung

Unter diesem Oberbegriff versteht man die von einer Fachperson (Zahnarzt, spez. dafür ausgebildete Helferin, ZMF, Dental Hygenist) in der Praxis durchgeführte Zahnreinigung und Prophylaxe. Zu dieser professionellen Behandlung gehören u.a.:

Überprüfung der häuslichen Mundhygiene mit speziellen Maßnahmen

Fluoridierung der Zähne mit konzentrierten Präparaten

gründliche Zahnreinigung (Zahnstein, Beläge, Verfärbungen), Politur der Zähne, der Füllungen und Kronenränder

Motivation zur Zahngesundheit und damit verbundener Ernährungs- und Pflegemaßnahmen

gebißbezogene Beratung, u.U. Speicheltest auf besonders aggressive 'Kariesbakterien'

Bei der Zahnsteinentfernung wird seit 30 Jahren in der Regel mit Ultraschall gearbeitet. Dieses Verfahren ist gründlich, relativ schmerzlos und schädigt die Zahnoberfläche bei sachgemäßer Anwendung nicht.

Zahnverfärbungen wurden früher mit Polierinstrumenten beseitigt. In den letzten Jahren haben sich sog. "Air-Flow-Systeme" durchgesetzt: einem unter Druck stehenden Luft-Wasser-Gemisch (Spray) wird ein auf die Zahnhärte abgestimmtes Salz in Pulverform beigemischt, welches von der Härte her den Zahnschmelz nicht angreift, die Verfärbungen aber auch in durch Politur unzugänglichen Winkeln und Nischen restlos entfernt. Sprechen Sie über dieses neue und effektive Verfahren mit Ihrer Zahnarztpraxis.

Gewarnt werden muß in diesem Zusammenhang ausdrücklich vor Reinigungsverfahren für den Hausgebrauch (z.B. Raucherzahncremes), die häufig auch noch teuer bezahlt werden müssen. Verletzungen am Zahnfleisch und Abschleifen von gesundem Zahnschmelz sind bei laienhafter Anwendung zu beobachten. Zusätzlich dient auch die professionelle Zahnreinigung einer Früherkennung von Zahnkrankheiten, welche unter häuslichen Bedingungen unmöglich ist.


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mit freundlicher Genehmigung von dental-links.de, Dental Lexikon © by Dr. Claus de Cassan