Zahnärztliches Lexikon U
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Überbiß
auch Scherenbiß; die im normalen Gebiß übliche (eugnathe) Bißlage: die oberen Schneidezähne beißen leicht über die unteren. Ist der Oberkiefer im ganzen vorstehend oder die Frontzähne nach vorn aufgebogen (meist durch Unarten, sog. 'Habits' bedingt), spricht man von Prognathie o. Protrusion. Beißen die untern Schneidezähne über die oberen, spricht man von einer Progenie.
Die nebenstehenden Abbildungen zeigen (von oben nach unten):
1.) normaler (eugnather) Biß; (normale Okklusion),
2.) starker Überbiß des Oberkiefers; Prognathie,
3.) starker umgekehrter Überbiß; Progenie.
==> Siehe auch unter Kiefer- und Zahnfehlstellungen.
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überempfindliche Zahnhälse
auch als Hypersensibilität bezeichnet; Reaktion des Dentins (Zahnbeins) auf chemische (z.B. süß) und thermische (warm/kalt) Reize.Tritt besonders an sog. 'freiliegenden' Zahnhälsen auf. Normalerweise hat nur die Zahnkrone, welche mit einer widerstandsfähigen Schmelzschicht überzogen ist, Kontakt mit der Mundhöhle. Bei Zahnfleischerkrankungen, bei einem natürlichen, altersbedingtem Schwinden des Zahnfleisches, oder als Folge von Zahnfleischbehandlungen kann es dazu kommen, daß auch Teile der Zahnwurzel mit der Mundhöhle Kontakt haben und die oben beschriebenen Beschwerden auslösen. Ursache für diese manchmal äußerst unangenehmen Empfindungen sind offene Dentinkanälchen, welche im Wurzelbereich nicht von einer Schmelzschutzschicht bedeckt sind.
Die Behandlung der ü. Z. erfolgt i.d.R. durch Versiegelung der feinen Dentinkanälchen mittels versch. chemischer Präparate, so früher z.B. mit Sibernitrat (heute verpönt, da das Silber die Wurzeloberfläche schwarz verfärbt), oder heute mit Fluorid- bzw. Strontiumpräparaten. Die Wirkung von spez. Zahnpasten wird von Patienten unterschiedlich beurteilt; erfolgversprechender sind gezielte Maßnahmen in der zahnärztlichen Praxis. Selten ist zur Behandlung der Schmerzen eine Entfernung des Zahnnervs mit anschließender Wurzelkanalbehandlung erforderlich.
Überfüllung
des Wurzelkanals mit dem Wurzelfüllmittel bei der Wurzelbehandlung (Endodontie). Eine stärkere Ü. über den Apex hinaus ist selten gewünscht, kann aber aus anatomischen Gründen manchmal nicht vermieden werden.
Überkappung, direkte oder indirekte
Kariestherapie bei einer vorliegenden Caries profunda. Nach vorsichtigem Entfernen der pulpennahen Karies - wobei wissenschaftlich bisher nicht restlos geklärt ist, ob auch noch etwas 'erweichte' Karies belassen werden kann - und gründlicher, schonender Reinigung der Kavität, wird ein Medikament (meist auf Kalziumhydroxid-, seltener auf Eugenolbasis) eingebracht. Sinn dieser Medikamente ist es, zum einen die infizierten Dentinkanälchen zu desinfizieren, andererseits die sog. 'Reizdentinbildung' - eine Reparaturmaßnahme des Zahnnerves - in Gang zu setzen.
Kann zwischen dem Zahnnerv und der Kavität noch eine dünne Dentinschicht belassen werden, spricht man von der sog. indirekten Überkappung; sie ist die häufigst angewandte und eine sehr erfolgsversprechende Methode bei der Behandlung der Caries profunda.
Bei der direkten Überkappung - es ist nun keine körpereigne Schicht mehr zwischen Kavitätenboden und Nerv vorhanden - wird das Medikament direkt auf den freiliegenden Nerv aufgebracht. Die Erfolgsaussichten zur Lebenderhaltung der Pulpa sind hierbei wesentlich geringer. Regelmäßig Kontrollen der durch eine Überkappung behandelten Zähne sind unabdingbar. Prothetische (Kronen, Brücken usw.) Versorgungen sollten erst nach einer Wartezeit von 4-6 Monaten durchgeführt werden.
Alternativ zu einer Überkappung kommen die Vitalamputation und die Vitalexstirpation (im Rahmen einer Wurzelbehandlung) in Frage.
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Unterfüllung
Schutzschicht unter einer Füllung, um die Kavität gegen thermische (heiße oder kalte Nahrung) und chemische Reize, welche durch das Füllungsmaterial bedingt sein können, zu schützen. Ebenso auch gebräuchlich, um die Kavität zur Füllungsmaterialersparnis auszukleiden oder ihr bei Gußfüllungen eine parallelwandige Form zu geben. Als Standardmaterial dient der Phosphatzement.
Daneben ist der Begriff U. auch noch in der Endodontie gebräuchlich für einen nicht vollständig abgefüllten Wurzelkanal.
unterstützende Ultraschall-Systeme
unter den Namen 'Sonicsys®' oder 'Si-plus®' bekannte alternative Kariesbehandlungsmethode, welche sich die Ultraschallschwingungen zur Abtragung der Zahnsubstanz zu Nutze machen: einseitig diamantbelegte Präparationsinstrumente tragen die Zahnsubstanz exakt und ohne Verletzung des Nachbarzahnes z.B. bei Black II-Kavitäten ab. Durch die Formung und Wirkungsweise der Instrumente sind äußerst schonende Präparationen möglich. In die so geschaffenen Hohlräume werden sog. 'Inserts' (vorgefertigte Keramikstückchen) mittels Ätztechnik und Komposites eingefügt. Die Präparationen dauern länger als beim herkömmlichen Bohren, dafür sind sie äußerst exakt; gelegentlich werden die auftretenden Geräusche und Vibrationen als unangenehm empfunden.
Siehe auch unter alternative Behandlungsmethoden.
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Unterzungenbügel
auch Sublingualbügel genannt; meist gegossene (==> Modellguß) Verbindungsvorrichtung zweier Prothesenteile (Sattel) im Unterkiefer. Der von Patienten hin und wieder als störend empfundene U. muß zur Vermeidung von Druckstellen leicht von der Schleimhaut des Alveolarfortsatzes abstehen.
Abb.: Unterkiefer-Schaltprothese mit einem U. (schwarz) als Verbindungsvorrichtung zwischen zwei Prothesensätteln (rot).
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Unverträglichkeit von Zahnersatz
trotz der gewaltigen Fortschritte der Zahnmedizin in den letzten Jahrzehnten ist die Zahl derjenigen Patienten, welche mit einem (meist herausnehmbaren) Zahnersatz nicht zurechtkommen im Steigen begriffen. Geklagt wird über Schmerzen eigenartiger Qualität, Zungenbrennen, Geschmacksveränderungen und der Unfähigkeit, mit den 'dritten Zähnen' zu beißen. Es werden Einwände vorgebracht, die objektiv - auch nach Begutachtung durch andere Personen - nicht nachzuvollziehen sind. Der Zahnarzt wird zu Behandlungen aufgefordert, die aber kaum den gewünschten Erfolg bringen. Sieht man einmal von der geringen Anzahl an echten Verarbeitungsmängeln und falschen Planungen ab, so ist die Hauptursache im psychischen Bereich zu suchen : einem - wenn auch unbewußten - Sträuben gegen die erhebliche Veränderung in der Mundhöhle. Sinnvoll ist in diesem Stadium eine unterstützende Behandlung durch einen Psychosomatiker oder Psychotherapeuten, allerdings wird dieser einzig richtige Rat von den meisten Patienten rundweg abgelehnt ("ich bin doch nicht Verrückt"). So wird dann zum nächsten und zum nächsten Behandler gepilgert, ohne eine Linderung der subjektiven Beschwerden zu erfahren. Der Einsatz von Psychopharmaka ist in diesem Stadium wegen einer möglichen Suchtgefahr umstritten, gleichwohl wird von guten Erfolgen mit einer Begleittherapie berichtet, besonders bei Vollprothesenträgern, die über einen starken Würgereiz berichten. Verfahren der Hypnose und Suggestivtherapien haben sich bei einer vermeintlichen Unverträglichkeit nicht bewährt. Ein entscheidender Faktor ist der Zeitpunkt und das private wie berufliche Umfeld des Patienten bei der Anfertigung größerer Zahnersatzmaßnahmen, dies sollte auf Grund einer exakten Anamnese berücksichtigt werden: ist z.B. im näheren Umfeld erst kürzlich ein schmerzhafter Todesfall eingetreten oder dem Patienten ist ärztlicherseits eine schwere Grunderkrankung mitgeteilt worden, so sind i.d.R. auch noch so gute und gründliche Zahnersatzmaßnahmen zum Scheitern verurteilt.
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