Dental Lexikon I

Zahnärztliches Lexikon I

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iatrogen
durch den Arzt verursacht.


Ibuprofen
zu den 'modernen' Schmerzmitteln zählendes Medikament mit entzündungshemmender und fiebersenkender Wirkung. Die Wirkungsweise des I. beruht im wesentlichen darauf, daß noch Stunden nach chirurgischen Eingriffen eine erhöhte Konzentration an dem Hormon 'Prostaglandin E2' - einem entscheidenden Stoff beim Entzündungsgeschehen - im Körpergewebe vorhanden ist. Die Gabe von I. eine Stunde vor der Operation (800mg) und unmittelbar nach der Behandlung (400mg) reduziert die Prostaglandinkonzentration um 95 % und führt so zu einem deutlich meßbaren Rückgang der Schmerzintensität.


Immediatprothese
Sofortprothese; d.h. bevor die letzten Zähne im Ober- o. Unterkiefer gezogen werden, wird im Dentallabor schon die fertige Prothese angefertigt und dem Patienten direkt nach dem Ziehen der Zähne eingesetzt. Heute Mittel der Wahl bei der ersten Vollprothese eines Patienten, besonders aus ästhetischen und funktionellen Gründen. Nach Abheilen der Wunden (ggf. unter Bildung von Druckstellen) und knöcherner Umwandlung des Kiefers (ca. 3-6 Monaten), wird aus der I. - im Gegensatz zur Interimsprothese - durch Unterfütterung die endgültige Prothese.


Immunität
Unempfindlichkeit gegenüber Krankheiteserregern oder Giftstoffen. Die I. kann angeboren oder im Laufe des Lebens durch eine Immunisierung erworben werden.


Immunsytem
siehe unter Allergie u. Nährstoffe.


Impfung
in den Blutkreislauf eingebrachte Substanz zur Erzeugung einer Unempfindlichkeit gegen Krankheitserreger. In der ZHK wird seit Jahren nach einem Impfstoff gegen Karies (Karies-Streptokokken) geforscht, ohne daß bisher ein Durchbruch - trotz gegenteiliger Meldungen in der Regenbogenpresse - gelungen ist.


impaktierter Zahn
meist durch falsche Lage oder Platzmangel im Kiefer liegender, nicht in die Zahnreihen durchgebrochener Zahn. Bei vielen Menschen sind die Weisheitszähne vollständig oder teilweise impaktiert und müssen chirurgisch entfernt werden.


Implantat
"Ersatzteil"; fremdes oder körpereigenes Material, welches in den Körper eingepflanzt wird. In der ZHK sind dies Zahn- (Keramik o. Titan) oder Knochenimplantate, welche fehlende Zähne oder verloren gegangenen Knochen ersetzen können. Durch spezielle Operationsmethoden und verbesserte, gewebeverträglichere Materialien hat sich in den letzten Jahren die Erfolgsquote deutlich verbessert. (==> dentogingivaler Verschluß)
Nur in Ausnahmefällen wird ein I. direkt nach Entfernung oder unfallbedingtem Verlust eines Zahnes in die frische Wunde eingesetzt (Sofortimplantat); vielmehr wartet man i.d.R. mindestens einen Zeitraum von 4-8 Wochen ab, um etwaige vorhandene Entzündungsherde ausheilen zu lassen und genügend neugebildeten Knochen als "Fundament" (Implantatlager) zur Verfügung zu haben (s.a. unter Augmentation, Biokompatibilität, Blattimplantat, Sinuslifting, transdentale Fixation).

Eine Kostenerstattung durch die Gesetzlichen Krankenkassen erfolgt nur bei schweren Kiefer- und Gesichtsschädigungen (Tumoren, Unfällen, angeborene Mißbildungen); bei Privaten Krankenversicherungen ist sie i.d.R. gegeben.

Die DGZMK hat im Mai 1998 eine Stellungnahme verfaßt, in der es u.a. heißt:
"... Herausnehmbarer implantatgestützter Zahnersatz beim zahnlosen Kiefer wird standardmäßig auf 4 Implantaten abgestützt. Diese Form der Versorgung ermöglicht eine höhere Stabilisierung der Prothese mit weniger Knochenresorption des Kiefers als die ebenfalls mögliche Stabilisierung mit 2 Implantaten.
Rein implantatgetragener, bedingt abnehmbarer Zahnersatz beim zahnlosen Kiefer ist standardmäßig auf 6 Implantaten abgestützt, wobei im Oberkiefer auch mehr als 6 Implantate, im Unterkiefer in Ausnahmefällen auch lediglich 4 Implantate notwendig sein können.
Bei Freiendindikationen und großen Schaltlücken werden in Abhängigkeit von ihrer Größe bei Verbundbrücken (Verbindung von Implantaten mit natürlichen Zähnen) 1 oder 2 Implantate und bei rein implantatgetragenen Konstruktionen standardmäßig 2 oder 3 Implantate angewandt.
H. Spiekermann, Aachen   "



Impregum®
zu den Elastomeren zählendes Abformmaterial aus einer Polyäther-Sulfid-Verbindung; eines der Standardmaterialien aus der Gruppe der elastischen Abformmassen zur Präzisionsabformung. Die Verarbeitung erfolgt ähnlich wie bei den Silikonen. Das Dimensionsverhalten ist auch nach längerer Aufbewahrung sehr gut (kaum eine meßbare Veränderung beim Lagern nach Abdrucknahme), das Rückstellungsvermögen ausgezeichnet. Da das Material etwas Wasser aufnehmen kann und dann in Spuren aufquillt, sollte eine trockene Lagerung erfolgen.


Inaktivitätsatrophie
Geweberückgang in Folge von Nichtbenutzung des betreffenden Körperorgans. So führt in der ZHK der Zahnverlust bedingt durch geringere Durchblutung zu einem Rückgang des Kieferknochens, welcher sich noch verstärkt, wenn das betreffende Gebiet nicht durch Zahnersatz versorgt wird.


Incisivus
lat. für Schneidezahn.


incisal
Lage- oder Flächenbezeichnung: auf der Schneidekante; zur Schneidekante hin.


Index
Verhältniszahl. Besonders in der Parodontologie werden Erkrankungszustände des Parodontiums mit Indexzahlen (Indic(z)es) belegt. Siehe z.B. unter Papillenblutungsindex.


Indikation
Vorgehen, Ergreifen einer bestimmten Maßnahme im Krankheitsfall.


indirekte Abdruckmethode
hauptsächlich bei der Herstellung von Kronen, Brücken und Inlays gebräuchliche Arbeitsmethode: wurde früher z.B. das Goldinlay im Mund direkt aus Wachs gearbeitet und nur im Labor ausgegossen, so wird heute - wegen der außerordentlichen Präzision der Abformmassen möglich - nur die Kavität (=die bearbeitete "Füllungshöhle") abgedrückt. Im Zahnlabor wird durch Ausgießen mit Präzisionsgipsen wieder ein Positiv dieser Kavität hergestellt (sog. "Arbeitsstumpf"), worauf der Zahntechniker das endgültige Ersatzstück herstellt.


indirekte Überkappung
Maßnahme bei der Behandlung einer Caries profunda. ==> Überkappung.


indiziert
auf Behandlungsmethoden oder Medikamente bezogen: ratsam, angezeigt, erforderlich.


indolent
ohne Schmerzen, neutrales Verhalten gegen eine Einwirkung.


inert
chem. gesehen: reaktionslos.


Infarkt
Absterben eines Gewebe- o. Organteils nach einer Unterversorgung mit Blut in Folge eines Gefäßverschlusses. ==> Embolie


infaust
ungünstig, schlecht; z.B. 'infauster Krankheitsverlauf' bei einer unheilbaren Tumorerkrankung.


Infektion
Reaktion des Körpers auf eingedrungene Krankheitserreger oder deren Giftstoffe. Als Mikroorganismen kommen hauptsächlich Bakterien, Viren u. Pilze in Betracht.
Jeder 'blutige' Eingriff in der Mundhöhle kann prinzipiell zu einer Infektion führen. So wird z. B. als Folge von Routinebehandlungen wie der Zahnsteinentfernung eine vermehrte Konzentration von Bakterien (praktisch alle Bakterienarten, welche in der Mundhöhle vorkommen) im Blut (Bakteriämie) beobachtet, welche im gesunden Organismus völlig harmlos ist, bei vorgeschädigten Organen aber schwere Krankheitsbilder auslösen kann. Bei infektiösen Grunderkrankungen, wie zum Beispiel einer Endokarditis, müssen deshalb an sich harmlose Eingriffe unter Antibiotikaschutz durchgeführt werden (Endokarditisprophylaxe).


Infektionskrankheit
ansteckende Krankheit; i.d.R. mit Fieber verbunden. Die weltweit häufigste und gefährlichste I. ist die Tuberkulose, eine Erkrankung, welche über viele Jahre als 'besiegt' galt.


Infiltrat
in normales Körpergewebe eingelagerte Fremdkörper wie krankheitsverursachende Zellen, Gewebe oder Flüssigkeiten. Das entzündliche I. geht bei Nichtbehandlung (d.h. Beseitigung der Ursachen, evtl. Antibiotikatherapie) in einen Abszeß über.


Infiltrationsanästhesie
örtliche Betäubung zur Schmerzausschaltung durch Einbringen von Anäesthesie-Lösung in das Operationsgebiet selbst oder Umspritzung dieses Bereiches. ==> Leitungsanästhesie, Lokalanästhesie


infiltriert
durchdrungen, durchtränkt.


infiziert
mit Erregern versehen, verseucht, angesteckt mit.


Inflammatio
Entzündung


infra
als Vorsilbe: unterhalb (von); z.B. infraorbital = unterhalb der Augenhöhle.


Infraktion, Infraktur
unvollständiger Bruch des Knochens.


Infusion
Zufuhr größerer Flüssigkeitsmengen in Blutgefäße, in Körperhöhlen, ins Gewebe o. unter die Haut.


Ingredienzien
Bestandteile, Zusammensetzung von Medikamenten.


inhalieren
Einatmen von Gasen o. Dämpfen.


Injektion
mit Druck verbundenes Einbringen von Flüssigkeiten ins Körpergewebe; in der ZHK gemeinhin unter "Spritze" bekannt.


inkompatibel
untereinander unverträglich.


Inkorporation
Einsetzen, Eingliedern eines Fremdkörpers; z.B. bei einer Prothese o. einem Implantat.


Inkubationszeit
Zeitraum zwischen der Ansteckung mit einer Krankheit u. deren Ausbruch.


Inlay
Einlagefüllung, Gußfüllung; i.d.R. aus Edelmetall, aus kosmetischen Gründen auch aus Keramik (Keramik-Inlay) oder einer Kombination beider Werkstoffe (Galvano-Inlays); ggf. aus Kostengründen in einer anderen Legierung. Gerade die Goldgußfüllungen zählen zu den dauerhaftesten und erprobtesten Reparaturmaßnahmen am Zahn.
Durch spezielle Poliermethoden läßt sich der technisch bedingte Spalt zwischen Füllung und Zahn bei Metallfüllungen minimieren.
In jüngster Zeit etablieren sich aus kosmetischen Gründen sog. 'Galvanoinlays'. Siehe auch unter Füllungen, Onlay, Keramik-Inlay.


Inlaybrücke
spezielle Art der Lückenversorgung durch eine Brücke, bei welcher die Pfeilerzähne nicht wie üblich aus Kronen, sondern Inlays bestehen, zwischen welche das Brückenzwischenglied gearbeitet wird. Wegen einer erhöhten Kariesanfälligkeit dieser Konstruktion, ist eine gute Mundhygiene unerläßlich.


Innervation
Versorgung eines Gebietes mit Nerven.


inoperabel
Krankheitszustand, der nicht (mehr, z.Zt.) durch eine Operation beherrscht werden kann.


Inserts
keramische Füllkörper bei der Verarbeitungstechnik mit zahnfarbenen Füllungsmaterialien mit dem Ziel einer Verbesserung des Füllungsrandes und einer durch die Aushärtung technisch bedingten geringeren Spannung innerhalb des Ersatzwerkstoffes. Siehe auch unter 'unterstützende' Ultraschall-Systeme.


Integration
Eingliederung, Wiederherstellung; z.B. durch das Eingliedern einer Prothese.


intakt
unversehrt, ungestört.


Interessensschwerpunkte
um einem Informationsbedürfnis der Bevölkerung nachzukommen und gleichzeitig einer weiteren Spezialisierung im Sinne von Fachzahnärzten (wie z.B. die bestehenden für Kieferorthopädie, Parodontologie usw.) vorzubeugen, beabsichtigt die Bundeszahnärztekammer in ihrer Musterberufsordnung sog. Interssenschwerpunkte einzuführen, welche dann in berufsordnungen der Länder verbindlich vorgeschrieben werden können. Dannach soll der Zahnarzt das Recht bekommen, Schwerpunkte seiner freiberuflichen Tätigkeit nach außen hin darstellen zu können.


interdental
zwischen den Zähnen gelegen, befindlich.


Interdentalkeil
Holz- o. Kunststoffkeilchen zur besseren Anpassung und Ausformung von plastischen Zahnfüllungen im Zahnzwischenbereich (==> Matrize). Wichtige Bedeutung dieser Verarbeitungstechnik in der vorbeugenden Parodontologie.


Interdentalpapille
der Teil des Zahnfleisches, der zwischen den Zähnen liegt. Da der Reinigung erschwert zugänglich, bezeichnet man die I. auch als den empfindlichsten und störungsanfälligsten Teil des Zahnfleisches. Zur Reinigung der I. gibt es versch. Methoden und Werkzeuge.


Interimsprothese
herausnehmbarer Zahnersatz, welcher aus kosmetischen u. funktionellen Gründen für die Zeit der Abheilung nach Zahnextraktionen eingesetzt wird (==> Provisorien). Im Gegensatz zur Immediatprothese ist dieser Ersatz nach Abheilung der Wunden wertlos.


intermaxillär
zwischen dem Ober- u. Unterkiefer liegend, befindlich.


intermaxilläre Fixation, Verschnürung
zeitweilige Verblockung des Unterkiefers mit dem Oberkiefer, spez. angewandt in der Kieferchirurgie (z.B. bei der Kieferbruchbehandlung, zur Ruhigstellung der Bruchstücke) u. Kieferorthopädie (Multibandbehandlung, hier dient die i. F. zur Bewegung der Kiefer oder Zähne gegeneinander). Die Zahnreihen des Ober- u. Unterkiefers werden mit Befestigungselementen versehen (Schienen, Brackets), welche dann meist mit Drähten oder Gummizügen verbunden oder verschnürt werden.


interproximal
zwischen den Berührungs-, Kontaktflächen der Zähne gelegen.


interradikulär
Lagebezeichnung bei mehrwurzligen (Backen-) Zähnen für das Gebiet, welches zwischen den Wurzeln liegt (Bifurkation bei zweiwurzligen, Trifurkation bei dreiwurzligen Zähnen). ==> Parodontitis interradicularis.


intramuskulär
im Muskel befindlich. So wird z.B. bei einer intramuskulären Injektion (i.m.) die Flüssigkeit in den Muskel eingebracht.


intraoral
in der Mundhöhle gelegen.


intravenös
in der Vene befindlich. So wird z.B. bei einer intravenösen Injektion (i.v.) die Flüssigkeit in eine bestimmte Vene eingebracht.


in vitro
im (Reagenz-) Glas durchgeführtes Experiment.


in vivo
im (lebenden) Körper durchgeführtes Experiment.


inzisal
Lagebezeichnung für schneidekantenwärts, zur Schneidekante hin.


Inzision
Aufschneiden, Eröffnen eines Abszeß.


Inzisivus
Schneidezahn.


Ionendosis
Meßwert in der Radiologie (Röntgenologie), welcher die Menge der (ionisierenden) Strahlen angibt. Gemessen wird in einer mit Luft gefüllten Ionisationskammer die Menge der erzeugten Ladung im Verhältnis zu der Masse der bestrahlten Luft. Maßeinheit = SI-Einheit: Coulomb/Kilogramm. ==> Strahlenbelastung


Intraoral Pressuredependent Registration (IPR)
Intraoral Pressuredependent Registration (IPR) ist eine neue Methode zur Diagnose und Funktionsanalyse von Dysfunktionen und Myoarthropathien des Kauapparates, chronischen Kopfschmerzen oder Tinnitus und zur Abklärung von Parafunktionen, neuromuskulären stomatogenen Schmerzzuständen oder Kiefergelenkerkrankungen (TMD). Das elektronische IPR-Verfahren ist eine Weiterentwicklung der intraoralen Stützstift-Zentrikregistration nach Gysi und McCrane. Ein neuartiger Sensor erlaubt die digitale Visualisierung des intraoralen Registrates unter Berücksichtigung des ausgeübten Kaudruckes unmittelbar auf einem Computer-Bildschirm. Die objektiven und reproduzierbaren Messungen erleichtern das Auffinden einer physiologischen Zentrikposition. Der Zahnmedizin steht mit IPR erstmals ein einfaches und schnelles Verfahren zur optimalen Therapie und Vorbeugung zur Verfügung.


irreparabel
nicht wieder herstellbar, unheilbar.


irreversibel
nicht wieder umkehrbar, endgültig, definitiv


Ischämie
verminderte Durchblutung eines Körpergewebes; führt auf Dauer zum Absterben des Gewebes.


-itis
Wortendteil zur Kennzeichnung eines entzündlichen (akuten) Prozesses; z.B. Parodontitis = entzündliche Erkrankung des Zahnfleisches.


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mit freundlicher Genehmigung von dental-links.de, Dental Lexikon © by Dr. Claus de Cassan