Dental Lexikon A

Zahnärztliches Lexikon A

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ABC-Apparat
orthodontischer (kieferorthopädischer) Apparat im Ober- u. Unterkiefer. Funktioniert mit intermaxillären Gummizügen zur Einstellung der Bißverhältnisse.


Abformung, Abdruck
möglichst naturgetreue (bei Präzisonsabdrücken im µ - Bereich (1000stel Millimeter)) Abformung des Kiefers oder der Zähne. Die Negativform wird zur Weiterverarbeitung mit speziellen Hartgipsen ausgegossen. Man unterscheidet versch. Methoden und Materialien:
1.) starr-irreversibel (nicht mehr veränderbar): Abdruckgips (historisch, äußerst ungenau), Zinkoxid-Eugenol-Paste (historisch, schlecht zu verarbeiten, unangenehmer Geschmack), Kunststoffe (kaum gebräuchlich, i.d.R. mit hoher (schädlicher) Temperatur beim Abbinden.
2.) starr-reversibel (meist durch Wärme wieder veränderbar): Stent's u. Kerr Massen, Guttapercha; ab ca. 500 C plastisch. Bestandteile sind in der Natur vorkommende Wachse, Harze u. Gummi. Heute nur noch vereinzelt in Gebrauch.
3.) elastisch-reversibel (durch Wärme wieder veränderbar): Hydrokolloide auf Agar-Agar-Basis mit hohem Wasseranteil. Exakte, aber aufwendige Abformart; verliert wieder an Bedeutung.
4.) elastisch-irreversibel: heute gängige, sehr genaue Abformmethode. Als gebräuchliche Materialien dienen Alginate, Silikone u. Polyäther-Gummimassen (sog. Elastomere) . Neben der hohen Präzision zeichnen sich die Elastomere durch eine nur geringe Wärmeentwicklung beim Abbinden aus.
Bei der A. mit elastischen Materialien ist eine möglichst exakte Rückstellung erwünscht.
Unterstützend zur exakten Abformung bei präparierten Zähnen werden vor der eigentlichen Abdrucknahme Retraktionsfäden gelegt und die Abdrucknahme erfolgt mit eigens für den jeweiligen Kiefer angefertigten individuellen Schablonen (Indivlöffel).
Die Abdrücke müssen je nach Material sofort (z.B. Alginate, Hydrokolloide) oder verzögert (z.B. Silikone) mit einem Modellgips ausgegossen werden und können dann in einem Zahnlabor weiter verarbeitet werden. Vor dem Ausgießen ist ein Versilbern oder Verkupfern des Abdruckes gelegentlich gebräuchlich.


abgestützte Prothese
herausnehmbarer Zahnersatz im teilbezahnten Kiefer, welcher an den vorhandenen eigenen Zähnen nicht nur durch Klammern oder anderen Konstruktionen gehalten, sondern an diesen auch abgestützt wird. Dadurch, daß eigene Zähne beim Kauakt mitbeteiligt sind, kann der Kaudruck auf den Ersatz wesentlich höher sein ( "ein besseres Beißgefühl"). Außerdem wird der Kieferknochen geringer unter dieser Prothesenart abgebaut. Als Stützelemente können umfunktionierte Halteklammern oder spezielle Konstruktionen (Geschiebe, Riegel, Stege, Teleskope usw.) dienen.


Abrasion
in der Zahnmedizin als Begriff für die (über)mäßige Abschaffung (mit Bildung von Schliffacetten) der Kauflächen, Füllungsoberflächen bzw. Zwischenräume (Kontaktpunkte) der Zähne gebraucht. Geht mit einer Senkung des Bisses bzw. einer Vorwärtswanderung der Zähne einher. Neben einem natürlichen Abarbeiten (=physiologisch) entstehen Abrasionen durch Parafunktionen (Knirschen, Pressen). Bei Industriearbeitern in stark stein-staubhaltigen Räumen als Berufserkrankung anerkannt. Die durch die A. verursachteSenkung des Bisses kann - speziell bei sog. Parafunktionen - zu Beschwerden im Kiefergelenk oder Mundwinkelrhagaden führen und muß spätestens dann zahnärztlich behandelt werden.


Abrasivität
Begriff für das Abscheuern von Zahnhartsubstanz durch Zahnpasten. Es gibt unzählige Zahnpasten, deren Abrasionsstoffe (meist Bimsstein) nicht bekanntgegeben werden müssen, da Zahnpflegeprodukte dem Kosmetikgesetz unterliegen.
Am intakten Schmelz können die Abrasionsstoffe keinen weiteren Schaden anrichten. Dagegen können beträchtliche Schäden (keilförmige Defekte) an freiliegenden Zahnwurzeln in Kombination mit einer zu harten Zahnbürste und falscher Putztechnik auftreten.
==> Raucherbelag


Abszeß
durch Bakterien (meist Staphylokokken und Streptokokken) verursachte begrenzte, abgeschlossene Eiteransammlung. Im Gegensatz zur Phlegmone ist der A. von einer Abszeßmembran (Granulationsgewebe) umgeben. Neben den Zahnwurzelabszessen (= Granulom) treten auch Zahnfleischtaschenabszesse = parodontaler Abszeß auf. Neben der Ausschaltung der Ursachen (Reinigung der Zahnfleischtasche, Aufbohren des Zahnes zwecks Abtötung der Bakterien), muß der Abszeß i.d.R. von der Mundhöhle aus gespalten(inzidiert) werden. Antibiotika können im Anfangsstadium noch nützlich sein, dienen aber sonst zur Abschirmung des umgebenden Gewebes bei reduziertem Allgemeinbefinden.


Abusus
Mißbrauch; in der Medizin im Sinne eines Medikamenten- oder Genußmittelmißbrauches.


ADA, American Dental Association
Vereinigung der Zahnärzte der USA. Weltweite Bedeutung hat die ADA u.a. dadurch, daß sie neben der FDA Zertifikationen (Gütesiegel) für zahnärztliche Materialien vergiebt, bzw. Empfehlungen gegenüber der FDA ausspricht. Diese gelten gesetzlich zwar nur für die Vereinigten Staaten, werden aber häufig von anderen Ländern - mangles vergleichbarer Zertifizierungen - als Maßstab herangezogen. In den EU-Staaten unterliegen die dentalen Werkstoffe nicht mehr dem Arzneimittelrecht, sondern dem neuen europäischen Medizinproduktegesetz (MPG). Es ist bisher fraglich, inwieweit eine gründliche klinische Prüfung neuer Materialen mangels Durchführungsbestimmungen erfolgt.


Adamantoblasten
für die Schmelzentstehung verantwortliche Zellen.


Adamsklammer
in der Kieferorthopädie und (selten) Prothetik verwendete besondere Klammerart zum temporären Halt von Regulierungsapparaten oder Teilprothesen.


Adenom
meist gutartiges Drüsengeschwulst. (z.B. der Speicheldrüsen).


adental
zahnlos.


Adhäsion
Anziehungskraft ("Klebekraft") zwischen den Molekülen versch. Körper. Die Adhäsionsprothese bedient sich dieser Kräfte zum Halt der Prothesenbasis an der Schleimhaut. Ein wichtiger Faktor ist hierbei der Speichel. Diese Klebkräfte können durch Haftmittel (Cremes, Pulver) noch verstärkt werden.


Adhäsive
==> moderne Haftvermittlungssysteme.


Adhäsiv-Technik
siehe Ätztechnik


Adjuvans
Hilfsmittel (z.B. bei Zahnfleischentzündungen).


Adrenalin
Hormon des Nebennierenmarkes. Reguliert durch Zusammenziehung der Hautgefäße und Erweiterung der Herzkranzgefäße den Blutfluß des Körpers und die Speichelsekretion. Häufiger Zusatz in zahnmedizinischen Lokalanästhetika (=Betäubungsspritzen) zur Verstärkung der Wirkung und Schaffung eines blutarmen Operationsgebietes. Synthetische Adrenalinarten sind Epinephrin® und Suprarenin®.


Adstringentien
zusammenziehende Mittel, die zur Straffung der Schleimhaut führen.


Aerobier
Mikroorganismen, welche zum Leben auf Sauerstoff angewiesen sind.


Afluon
Präparat zur Fluoridprophylaxe. Siehe auch unter Nährstoffe.


Agar-Agar
aus Rotalgen gewonnene Pflanzengallerte. Verwendung in zahnärztlichen Abdruckmassen und in der Bakteriologie zur Züchtung von Keimen.


Ah-Linie
konstruierte Linie am hinteren Gaumen als Übergang vom harten in den weichen Gaumen. Bedeutung als hintere Endausdehnung (+1 bis 2 mm) bei Vollprothesen.


AIDS
siehe unter HIV-1 Infektionen.


Air-Flow-System
sog. Pulverstrahlsystem zur Entfernung von Genuß- und Nahrungsmittelverfärbungen (Nikotin, Kaffee, Tee, Rotwein) auf den sichtbaren Zahnflächen. Einem unter Druck stehenden Luft-Wasser-Gemisch (Spray) wird ein auf die Zahnhärte abgestimmtes Salz (Natriumcarbonat, NaHCO3) in Pulverform beigemischt, welches von der Härte her den Zahnschmelz nicht angreift, die Verfärbungen aber auch an sonst unzugänglichen Nischen u. Winkeln restlos entfernt.
Eine Weiterentwicklung des A-F-S (höherer Druck, feinere Düse, aber weiterhin Natriumkarbonat als Abtragungsmittel) erschließt neue Anwendungsgebiete ohne mit den agressiven Stoffen (Aluminiumoxid) der 'Sand-Pulver-Strahlgeräte' zu arbeiten:
» Vorbereitung (Konditionierung) bei der Fissurenversiegelung.
» Vorbehandlung der Oberflächen bei der Säure-Ätztechnik.
» Anrauhen der inneren Oberfläche von Zahnersatzstücken (Brücken, Kronen) vor dem Einsetzen zur Verbesserung der Haftkraft.
» Glättung von kleinen kariösen Defekten bei Milchzähnen.


Airotor
auch als "Turbine" bezeichnet; hochdrehende (bis 400.000 U/min) durch Druckluft angetriebene Bohrmaschine zur Bearbeitung von Zähnen. Braucht zur Kühlung ein Wasser-Luft-Gemisch (Spray). Erzeugt das typische "Bohrgeräusch". Wegen dieser hohen Pfeiftöne sind Höhrprobleme bei Zahnärzten häufig anzutreffen. Inzwischen kann auf niedriger drehende, durchzugskräftiger Bohrer mit einem zehntel der Umdrehung ausgewichen werden, welche die genannten Gehöhrschäden nicht verursachen. Siehe auch unter 'Bohren'.


Akkumulation
Anhäufung; u.a. bei Medikamentengaben zu beachten.


Akrylate
Polymerisationskunststoffe. Bei der Anfertigung von Prothesen häufig verwendet.


Aktinomykose
Strahlenpilzerkrankung. Der Erreger Actinomyces israelii lebt als Parasit in der Mundhöhle und kann durch Verletzungen in das Gewebe übertragen werden. U.U. sehr schweres Krankheitsbild.


Aktion zahnfreundlich e.V.
der 1982 in der Schweiz gegründete und inzwischen weltweit existierende Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Konsum solcher Süßwaren zu fördern, die sich auf der wissenschaftlichen Basis der Plaque-Säure-Messung als zahnfreundlich erwiesen haben.
Die deutsche Aktion zahnfreundlich e.V., ein Zusammenschluß von Wissenschaftlern, Zahnärzten und Industriefirmen, hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst viele Süßwarenhersteller zur Produktion zahnfreundlicher Süßwaren anzuregen und gleichzeitig dem Verbraucher diese Süßigkeiten durch Anbringen eines speziellen Abzeichens (siehe Abb. 'Männchen mit Schirm') bekanntzumachen, ihm also eine intelligente Auswahl zu ermöglichen. Das Markenzeichen war im August 1997 auf 120 zahnfreundlichen Süßigkeiten zu finden. Man sollte sich nicht von der irrigen Kennzeichnung "Zuckerfrei" täuschen lassen, denn dies heißt nach dem deutschen Lebensmittelgesetz lediglich, daß darin kein Haushaltszucker enthalten ist, die zuckerfreien Produkte aber sehr wohl andere vergärbare Kohlenhydrate enthalten und somit Karies auslösen können. Neben der Süßwarenkennzeichnung können das Prädikat "Zahnfreundlich" auch Lebensmittel generell, Kaugummis und Arzneimittel erhalten.
Zahnfreundliche Süßwaren bestehen aus Substanzen, die von Kariesbakterien (fast) nicht vergoren werden, die also auch bei häufigem Verzehr keine Karies auslösen (==> kariogen). Ob Süßwaren zahnfreundlich sind, kann in der Mundhöhle durch Messung des sog. 'pH-Wertes' an der Grenzfläche zwischen Zahnbelag und Zahnoberfläche während des Verzehrs und dannach festgestellt werden.


Aktivator
kieferorthopädisches Behandlungsgerät (herausnehmbar) aus einem Block für beide Kiefer, welches die Muskelkräfte der Mundhöhle und des Gesichtsbereiches zur (dreidimensionalen) Kieferumformung ausnutzt. Neben einer Bißverlagerung können durch spez. Elemente auch einzelne Zähne bzw. Zahngruppen bewegt werden.


Aktive Platte
auch laienhaft 'Regulierung', 'Klammer', 'Spange'; herausnehmbarer kieferorthopädischer Apparat, häufig mit einer Dehnschraube zum Vergrößern einzelner Kiefer bei nicht ausreichenden Platzverhältnissen für die bleibenden Zähne. Durch aus Draht gebogene Hilfselemente sind Einzel- u. Gruppenbewegungen von Zähnen o. Zahngruppen in allen drei räumlichen Richtungen möglich. (Abb.: aktive Platten mit Labialbogen aber ohne Dehnschraube).
Siehe Darstellung auf eigener Seite.


aktivieren
in der Prothetik und Kieferorthopädie gebrauchter Begriff für das "unter Spannung setzen" von Klammern, Federn u. Schrauben.


Akupunktur
in der ZHK umstrittener Einsatz. Bisher einzig wissenschaftlich belegbar ist eine Unterdrückung des Würgereizes durch Stimulation des P6.


akut
aktives, plötzlich auftretendes Krankheitsbild, meist mit Schmerzen verbunden.


Alginat
irreversibles Hydrokolloid; Salz der Alginsäure, welches aus Algen oder Tang gewonnen wird. Grundlage für eines der gebräuchlichsten irreversibel-elastischen Abformmaterialien gleichen Namens.
Durch Mischen des Alginatpulvers mit Wasser entsteht eine Paste, welche - gesteuert durch spez. Verzögerer - nach 2-4 Minuten in ein irreversibel-elastisches Gel übergeht. Die Rückstellung erfolgt unmittelbar; die Abformungen sind nicht lager- und damit volumenbeständig; sie sollten deshalb innerhalb 20 Minuten nach Entnahme aus dem Mund mit Modellgips ausgegossen werden.


Allergie
die Neigung eines Organismus, auf bestimmte Reize anders zu reagieren, als es der Norm entspricht; Die Reizstoffe (besonders tierisches o. pflanzliches Eiweiß artfremder Herkunft) werden als Allergene - eine Untergruppe der Antigene - bezeichnet. Sie lösen beim ersten Kontakt die körperlich nicht wahrnehmbare Bildung von Antikörpern aus (sog. 'Sensibilisierung'). Erst beim zweiten Kontakt des gleichen Allergens tritt dann bei bestimmten Personen (siehe weiter unten) eine veränderte Reaktion, die allergische Reaktion, ein. Diese Reaktion kann lokal bleiben oder Allgemeinsymptome wie Fieber oder einen Schock auslösen.
Ca. 30% der deutschen Bevölkerung leiden in irgendeiner Form unter einer A.. Reaktionen auf Pollen von Blüten und Gräsern (sog. Heuschnupfen) stehen dabei mit Abstand im Vordergrund, gefolgt von Tierhaaren und Hausmilben. Ebenso sind die allergischen Auswirkungen von Nahrungsmitteln, Schimmelpilzen oder Insektengiften bekannt. Für medizinisches Personal ist in den letzten Jahren die Allergie auf Latex zu einem Problem geworden.
Das 'anders Reagieren auf bestimmte Reize' wird als eine Störung des körpereigenen Immunsystems gewertet. Allergiker reagieren hochempfindlich auf dem Körper nicht bekannte Fremdstoffe, stufen diese zu Unrecht als hochgefährlich ein und leiten damit eine komplexe Abwehrreaktion ein. Dabei spielt das Gewebshormon Histamin als Botenstoff eine entscheidende Rolle. Da nicht alle Allergien nach dem gleichen Schema ablaufen, unterscheidet man 4 versch. Typen:
» Typ I-Reaktion ist die bekannte Art bei Heuschnupfen, Hausstaub (Milben), Nahrungsmittel und Insekten.Da die Reaktion unmittelbar ( einige Sekunden bis 1-2 Stunden) auftritt, wird sie auch als Sofort-Typ bezeichnet. Neben den örtlichen Reaktionen wie Bläschen, Rötung und Juckreiz kommt hierbei besonders der u.U. tödlich verlaufende anaphylaktischer Schock vor.
» Typ II und III kommen seltener vor und treten meist erst nach mehreren Stunden auf.
» Typ IV-Reaktion, auch Spättyp genannt, tritt meist erst nach Tagen auf. Hierzu zählen die meisten Arzneimittelallergien (Penicillina. gelegentlich zum Typ I) und Kontaktallergien (z.B. auf Nickel). Ihre Auswirkungen sind nicht so dramatisch wie beim Typ I, aber häufig schwer zu behandeln.

Als Ursachen einer A. kennt man eine vererbte Komponente und Umwelteinflüsse. Dabei spielen die direkten Umweltbedingungen wohl eher eine untergeordnete Rolle. Vielmehr scheint das immer hygienischere Aufwachsen im Kindesalter das Immunsystem nicht zur voll funktionierenden Entfaltung zu bringen; so steigt dann später bei widrigen Umwelteinflüssen die Gefahr einer falschen (allergischen) Reaktion.
Siehe auch unter Lymphozytentransformationstest.


alternative Behandlungsmethoden
Schlagwort für von der Schulmedizin abweichende Therapieformen.
Hauptsächlich gebraucht bei der Behandlung der Karies (siehe unter Kariestherapie, Carisolv, Laser, Pulverstrahltechnik und 'unsterstützende' Ultraschall-Systeme). Bisher hat noch keines der Systeme einen nennenswerten Marktanteil erreicht bzw. größere klinische Untersuchungen zur Wirksamkeit und Unschädlichkeit vorzuweisen. Hinzu kommt, daß die Anwendung wesentlich komplizierter und für den Patienten umständlicher ist als das herkömmliche 'Bohren'. Nicht zu unterschätzen sind auch die Vorsichtsmaßnahmen, welche getroffen werden müssen, um den Patienten nicht zu verletzen. Außerdem sind die Preise für die Geräte wie auch Verbrauchsmaterialien teilweise astronomisch hoch.


Alveolarfortsatz
der auf den Gegenkiefer zeigende Teil eines Kieferknochens. In seinen Alveolen befinden sich die natürlichen Zähne. Im zahnlosen Kiefer spricht man vom Alveolar- o. Kieferkamm.


Alveolarkammplastik
chirurgischer Aufbau - meist mit körpereigenem Knorpel / Knochen - eines stark zurückgebildeten Kiefers zum besseren Halt von Prothesen. Wird wegen der Möglichkeit einer Implantation heute nur noch selten angewandt.


Alveolarpyorrhoe
veralt. Begriff für die entzündliche Veränderung des Zahnhalteapparates, die sog. Parodontitis profunda marginalis.


Alveole
Zahnfach im Kieferknochen (Alveolarfortsatz) zur Aufnahme der Zahnwurzel; die Form entspricht dem Negativ der Wurzel. So kann es je nach Anzahl der Zahnwurzeln pro Zahn mehrere Alveolen geben (siehe nebenstehende Abbildung). In der Parodontologie ist die A. der knöcherne Anteil des Parodontium. Zwischen der A. und der Zahnwurzel befindet sich der gelenkartige Parodontalspalt.


Alveolitis
Entzündung der Alveole; meist als Folge einer Infektion nach Zahnentfernung.


Amalgam
Füllungsmaterial; heute in der Zahnmedizin nur noch als eine "Legierung" aus den Metallen Silber u. Zinn und dem Vermischen mit Quecksilber als "Silberamalgam" gebräuchlich. Das weltweit am häufigsten untersuchte Füllungsmaterial ist in den letzten 10 Jahren wieder einmal in eine häufig emotional geführte Diskussion geraten (Siehe auch unter Füllungen oder der Konsenserklärung zum Amalgam). Seit Mitte des 19.Jh. gebräuchlich. A. wird aus kosmetischen Gründen (silbrige Farbe im polierten Zustand, sonst dunkelgrau bis schwarz) i.d.R. im nicht sichtbaren Bereich (Backenzähne) angewandt.
Vorteile der Amalgamfüllungen sind:
» im Prinzip 'einfache' Füllungstechnik,
» eine Art 'Gutmütigkeit' des A. bei der Verarbeitung,
» geringe Kosten,
» geringer Aufwand des Patienten bei der Pflege von A.-Füllungen,
» relativ lange Haltbarkeit.
Von Nachteil sind:
» ästhetisch unbefriedigend, besonders wenn nicht gut poliert,
» Belastung der Umwelt (wurde durch die gesetzlich vorgeschriebenen Amalgamabscheider an den zahnärztlichen Behandlungseinheiten erheblich verbessert),
» für die Kavität einer A.-Füllung muß relativ viel gesunde Zahnsubstanz geopfert werden,
» gesundheitliche Gefährdung des Behandlers und der Mitarbeiterinnen,
» potentielle allergische und toxische Gefährdung.

Auffallend ist, daß gerade psychosozial vorbelastete Patienten nicht nur über Schwierigkeiten mit ihren A.-Füllungen berichten, sondern auch empfindlich auf Erdstrahlen, Handy-Funkwellen, Magnetismus usw. reagieren.
Wissenschaftlich nachweisbare echte Allergien auf A. sind dem Autor bisher nicht bekannt geworden.


Amalgamalternativen
Ein Ersatz des Amalgams durch andere, ebenso kostengünstige Materialien ist unter wissenschaftlich-klinischen Aspekten - trotz gegenteiliger Behauptungen der Industrie und einem Teil der Medien - bisher noch nicht vorhanden; das Hauptproblem sind besonders bei den "weißen" Füllungen deren Ränder (Übergang zwischen Füllung und Zahn), welche bei den Ersatzmaterialien durch Schrumpfungsprozesse nicht auf Dauer dicht bleiben und so eine Randkaries bewirken können und ihr Abriebverhalten beim Kauen. Daran ändert auch nichts die theoretische Möglichkeit der Fluoridfreisetzung durch die neueren Stoffe (z.B. ORMOCER®); das Risiko der Füllungsrandkaries ist groß bzw. nicht einschätzbar. Hinzu kommt, daß viele A. noch nicht über eine Langzeiterfahrung verfügen. Ein echter Amalgamersatz müßte folgende Kriterien aufweisen:

» Zahnhartsubstanzerhalt und echte Wiederherstellung des Zahnes, besonders im Zahnzwischenraum (Kontaktpunkt),
» ungefährlich für den Zahnnerv,
» eine lange Lebensdauer haben (siehe unter Füllungen auf extra Seite),
» kariesverhindernde Wirkung haben (bakterienfeindlich sein),
» ebenso kostengünstig und problemlos wie Amalgam in der Verarbeitung sein,
» eine gute Haftung an den Wänden der Kavität aufweisen,
» beim Aushärten in der Größe unverändert bleiben und dadurch einen guten Randschluß haben.

Von der Industrie werden z.Zt. mehr als 50 Stoffe als Ersatz für das 'unbeliebte' Amalgam angepriesen. Hierzu zählen die große Gruppe der Komposites und Kompomere, sowie als jüngstes Produkt das ORMOCER® ("weiße Füllungen"). Gute und bewährte Alternativen sind die sog. Inlays aus Metall oder Keramik, welche aber volkswirtschaftlich gesehen uninteressant erscheinen, da sie etwa 10 mal so teuer wie Reparaturen aus Amalgam sind. Bei etwa 60 Millionen Füllungen pro Jahr in Deutschland ein erheblicher finanzieller Faktor für die Gesetzlichen Krankenversicherungen, welche die Füllungen (aus Amalgam) als Sachleistung (=für den Versicherten kostenlos) gewähren.


Ameloblasten
schmelzbildende Zellen.


Aminfluoride
organische Fluorverbindungen zur Kariesprophylaxe in Form von Mundspüllösungen und Zahnpasten. Typischer Vertreter: elmex® . Mehrere klinische Untersuchungen belegen, daß die A. den Natriumfluoriden bei der Einlagerung ("Härtung") in den Zahnschmelz überlegen sind.


Amylum
Stärke, das im Pflanzenbereich am weitesten verbreitete Kohlenhydrat; gebildet durch die Photosynthese über die Zwischenstufe Traubenzucker (Glucose), lagert sich die Stärke in den Reserveorganen der Pflanzen (Knollen, Samen) in Form von Körnern ab. Je nach pflanzlicher Herkunft unterscheidet man die Haupt-Stärke-Lieferanten Kartoffeln und Mais.
A. wird im Körper durch Enzyme und Säuren über die Zwichenstufe der Dextrine in versch. Zuckerarten abgebaut; so spalten das Enzyme des Pankreassaftes und Speichels, alpha-Amylase, A. in eine kariogene Mischung von Glucose und Maltose. Auf den Zahnoberflächen bleiben Stärkeprodukte i.d.R. besser haften als süße Speisen. So wird denn auch beispielsweise den stark stärkehaltigen Kartoffelchips eine höhere Kariogenität als die von Süßigkeiten nachgesagt, da sie über einen längeren Zeitraum nach Nahrungsaufnahme abbaubedingte Nährstoffe für die karieserregenden Bakterien liefern.


Anärobier
Mikroorganismen, die nur ohne Sauerstoff gedeihen.


Anästhesie
Schmerzausschaltung, "Spritze". In der Medizin wird zwischen örtlicher (= Lokal-, Leitungsanaesthesie) u. allgemeiner A. (Narkose) unterschieden. Heute gehört die Lokalanästhesie zur Schmerzausschaltung bei zahnärztlichen Eingriffen zur Routine.


Analgesie
(kurzfristige) Ausschaltung der zentralen Schmerzempfindung durch Inhalation chem. Substanzen. In der Zahnheilkunde war früher die Lachgas-A. ein gebräuchliches betäubendes Verfahren bei schmerzhaften Behandlungen.


Analgetika
auf das zentrale Nervensystem symptomatisch wirkende Schmerzmittel (meist in Tablettenform).


Analgosedierung
Vorbereitung von ängstlichen, erregten Patienten mittels beruhigender und schmerzlindernden Medikamenten.


Anamnese
Vorgeschichte einer Erkrankung; i.d.R. nach glaubhaften Angaben des Patienten.


anaphylaktischer Schock
lebensbedrohlicher Zwischenfall mit Zusammenbruch des Kreislaufs (==> Schock).


Angst
ist immer noch der häufigste Grund, nicht zum Zahnarzt zu gehen. 60% der Deutschen fühlen sich unwohl beim Zahnarzt, 5% der Bevölkerung geben an, aus A. eine zahnärztliche Behandlung ganz zu unterlassen; so gibt es wenige Patienten, die unbeschwert eine Zahnarztpraxis betreten. Die A. wird in der 'Rangfolge von Ängsten' nur noch vor der Angst des Einzelnen, öffentlich zu Sprechen, übertroffen.
Man unterscheidet u.a. die Erwartungsangst im Wartezimmer, die Behandlungsangst und die Verlustangst bei einem bevorstehenden Zahnziehen. Eine Behandlung dieser Zustände kann erfolgreich durch autogenes Training, eine spezielle Psychotherapie oder bedingt und kurzzeitig medikamentös erfolgen. Siehe auch unter Phobie.
Im wesentlichen beruht die A. vor einer zahnärztlichen Behandlung auf zwei Grundphänomenen:
» der Angst vor der eigentlichen Behandlung, dem eventuell während der Behandlung auftretenden Schmerz und den Behandlungsfolgen,
» Angst vor dem 'hilflos ausgeliefert sein'.
Verstärkt werden kann diese A. durch negative eigene frühere Erinnerungen und Schilderungen von Mitmenschen. Nicht zuletzt kann die gesamte Atmosphäre (Eindruck des Behandlers und seines Personals, der Räumlichkeiten usw.) einen zusätzlichen Effekt bewirken.
Grundsätzlich gibt es zwei Methoden der Angstreduzierung:
» mit Tabletten (nur vorübergehend, Gefahr der Abhängigkeit!), sog. 'Psychopharmaka',
» psychologische Beeinflussung des Patienten.
Eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Behandler und Patient, eine schmerzfreie Behandlung (unter örtlicher Betäubung) und eine 'schonende' Aufklärung über den Behandlungsablauf sind hierbei die entscheidenden Faktoren.
Die in den Medien häufig propagierte Angstreduzierung durch Hypnose hat sich bisher nicht durchsetzen können, da nur ein Teil der Patienten auf diese Beeinflussung anspricht und auch nur wenige Zahnärzte von Natur aus befähigt sind, mit dieser Technik umzugehen.


Ankerzahn
(gesunder, stabiler) Zahn, an welchem herausnehmbare Prothesen abgestützt und / oder befestigt werden. Bei Brücken spricht man vom Pfeilerzähnen.


Anodontie
angeborenes oder erworbenes Fehlen der Zähne, Zahnlosigkeit.


Anomalie
Fehlbildung, Abweichung von der Norm, Unregelmäßigkeit. In der ZHK hauptsächlich gebraucht im Zusammenhang mit Zahnfehlstellungen. Siehe unter Kieferorthopädie und Zahnfehlstellungen.


Antagonist
Gegenkörper, Gegenzahn, d.h. der Zahn (Zähne), der (die) beim Schließen der Kiefer auf seinen Antagonisten trifft.


antibakteriell
biologische, chemische, mechanische oder thermische Schädigung zur Abtötung von Bakterien


Antibiogramm
mikrobiologischer Nachweis der Empfindlichkeit eines Bakterienstammes gegen best. Antibiotika.


Antibiotika
von Mikroorganismen gewonnene Stoffwechselprodukte oder synthetisch hergestellte Medikamente, die Krankheitserreger in ihrer Entwicklung hemmen (=bakteriostatisch) oder abtöten (=bakterizid). Bekannte Vertreter sind Penicilline, Clindamycin, Tetrazycline,Erythromyzine. Einsatz bei schweren Infektionen (z.B. Osteomylitis, Abszessen) in der Mundhöhle.
Sie gehören in der Zahnarztpraxis neben den Schmerzmitteln zu den am meisten verordneten Medikamenten bei Infektionen im Mund-Kiefer-Gesichtsbereich. Dabei überwiegen die Infektionen der Weichteile ("Dicke Backe") mit ca. 90% gegenüber den Kieferknocheninfektionen.
Es gibt kein 'Universalantibiotikum', sondern immer nur keimspezifische; die geforderte vorherige Resistenzanalyse (=Wirkungsprüfung im Labor) ist wegen der Dauer der Bestimmung nur dem behandlungsresistenten schwerverlaufenden Einzelfall vorbehalten.
Neben dem Einsatz der A. bei eitrigen Entzündungen, gibt es noch eine sog. 'prophylaktische Indikation' vor chirurgischen Eingriffen bei eingeschränkter Abwehrkraft (z.B. Zuckerkrankheit, HIV, Strahlenbehandlungen bzw. zur Vermeidung von Streuinfektionen bei Herzklappenerkrankungen).
Das klassische Antibiotikum 'Penicillin' erweist sich zunehmend als wirkungslos, die Bakterien sind resistent (widerstandsfähig) geworden; so sprechen bei Infektionen im Kiefer-Gesichts-Bereich nur 44% der festgestellten Keime auf dieses Medikament an.
Der Wirkungsmechanismus der verschiedenen A. ist im Prinzip ähnlich: Sie greifen in die Synthese der Außenhülle der Bakterien ein, welche die Mikroorganismen wie ein stabiles Schild schützt, und bringen es so zum Absterben.
Völlig neue Wege gehen die sog. Lantibiotika.


Antigen
artfremder Eiweißstoff, der im Körper die Bildung von Abwehrstoffen (Antikörpern) bewirkt, die ihn selbst unschädlich machen. Siehe ausführlich unter Allergie, Lymphozytentransformationstest.


Antikörper
Abwehrstoffe gegen artfremde Eiweiße (z.B. Krankheitserreger), die als Antigene die Bildung der Abwehrstoffe im Körper bewirken. Siehe ausführlich unter Allergie, Lymphozytentransformationstest.


antiphlogistisch
gegen eine Entzündung wirkend.


Antipyretikum
fiebersenkendes Mittel.


Antiseptikum
Mittel gegen Wundinfektionen.


Antrumperforation
krankhaft entstandene Verbindung zwischen Mund- u. Kieferhöhle; i.d.R. als Folge einer Extraktion eines oberen Backenzahnes. Zur Diagnose wird der sog. Nasenblasversuch angewendet.


Apatit
mineralische Grundsubstanz in in Knochen u. Zahnhartgewebe.


Apex
(radicis dentis) Wurzelspitze eines Zahnes.


Aphthen
Mundschleimhautveränderung (weißer Fleck mit rotem Rand); entweder chronisch wiederauftretend oder sporadisch vorkommend. Häufig während des Zahnwechsels, der Menses, bei Allgemeinerkrankungen bzw. Verdauungsstörung. Das schubweise Auftreten kann oft lebenslänglich anhalten bei erblicher Komponente. Im akuten Stadium äußerst schmerzhaft. Viele symptomatische Therapiemöglichkeiten mit unterschiedlichem Erfolg. Gut hat sich zur Behandlung eine Salbe aus Melisseblättern (Lomaherpan®) oder mit dem sog. 'Filmbildner' Polydimethylsiloxan (Simethicon®) bewährt. Siehe auch unter Aphthen auf der Seite Zahnfleischerkrankungen bzw. unter Stomatitis.


apikal
Lagebezeichnung: an der, bzw. zur Wurzelspitze eines Zahnes.


apikale Basis
der Abschnitt des Kiefers, in welchem die Zahnwurzeln eingebettet sind.


Apikotomie
Wurzelspitzenresektion (chirurgische Entfernung des Wurzelspitze eines Zahnes).


Apollonia
Schutzheilige der Zahnleidenden bzw. Zahnärzte.


Applikation
Anwendung, Verabreichung


Approbation
staatliche Bestallung (Zulassung, erteilt von einem Bundeslandministerium in Deutschland) als Arzt, Zahnarzt o. Apotheker; Siehe auch unter Zahnarzt. Voraussetzung zur A. ist das Staatsexamen einer anerkannten Universität.


approximal
zwischen zwei Zähnen gelegen; dem Nachbar(-zahn) zugewandt.


Approximalfläche
Seitenfläche eines Zahnes (zum Nachbarzahn hin). Man unterscheidet eine vordere(mesiale) und hintere(distale) Fläche. Wegen schlechter Zugänglichkeit mit Reinigungsinstrumenten (Zahnbürste) häufiger Sitz von (Approximal-) Karies und Zahnfleischerkrankungen bei ungenügender Mundpflege. Siehe auch unter Zahnflächen.


Arbeitsseite
die Kauseite eines Kiefers während der Nahrungszerkleinerung. Die andere Kieferseite dient in diesem Augenblick als Balanceseite zum Führen und zur Abstützung des Unterkiefers.


Arkansasstein
heller Quarz, der zum Schleifen von feinen Instrumenten (Zahnfleischchirurgie) dient


Arsenik
früher gebräuchliche Einlage in einen Zahn mit schmerzhaft entzündetem Nerv zur Abtötung desselben; die Anwendung von A. wird heute als Kunstfehler betrachtet.


Arthritis
(schmerzhafte) Gelenkentzündung. Beim Kiefergelenk als Folge von Verletzungen, Entzündungen oder falscher zahnärztlicher Ausrichtung der Kiefer zueinander (z.B. falsche Bißlage bei Zahnersatzarbeiten).


Arthrose
Gelenkveränderung. Frühsymptome beim Kiefergelenk sind Knacken, erschwerte Mundöffnung, Kraftlosigkeit beim Kauen.


Artikulation
Verschiebung der oberen u. unteren Zahnreihen gegeneinander unter Zahnkontakt.


Artikulator
Gerät, welches mit eingesetzten Kiefermodellen eines Patienten außerhalb des Mundes (fast) eine Nachahmung der natürlichen Kaubewegungen zuläßt (= mechnisches Koordinatensystem). Vor allem beim Anfertigen von Zahnersatz im zahntechnischem Labor (Dentallabor) gebräuchlich. Seine Primitivform ist der Okkludator.


Asepsis
Keimfreiheit


Aseptik
Verfahren bei der Wundbehandlung mit dem Bestreben, Krankheitserreger von vornherein von der Wunde fern zu halten (sterile Instrumente und Materialien, Händedesinfektion, Abtötung der Keime in der Raumluft usw.).


aseptisch
keimfrei.


Äskulapstab
stellt das Symbol der ärztlichen Kunst mittels einer einen Stab umringelnden Schlange dar: Kopf nach rechts = Zeichen der Ärzte, Kopf nach links = Zeichen der Zahnärzte, Kopf nach links über einer Schale = Apotheker.


Ästhetische Zahnmedizin
besonders in den USA sehr bedeutende Richtung innerhalb der ZHK. Da sich Ästhetik nicht normieren läßt, sondern häufig eine Geschmacksache ist, ist der Sinn u. Nutzen der Ä. Z. nicht unumstritten: geht die 'klassische Zahnmedizin' von einer an der Natur ausgerichteten individuellen Wiederherstellung des Gebisses durch Füllungen und Zahnersatz aus, so versucht die Ä. Z. durch vielfältige Maßnahmen (Bleichen von Zähnen (Bleaching), Zahnformkorrektur mittels Composites und Veneers, kieferorthopädischer Behandlung im Erwachsenenalter, Jacketkronen usw.) häufig dem natürlichen Alter nicht angepaßte Verschönerungen durchzuführen, wobei die daraus resultierende Funktion von untergeordneter Bedeutung ist. Nach dem Motto: "Zähne müssen funkeln, um schön zu sein", werden teils abenteuerliche Behandlungen durchgeführt. Auf jeden Fall sind bei Behandlungen nach der Ä. Z. vorher Kostenzusagen von den Versicherungen (gerade auch von den privaten) einzuholen, da viele Kostenträger derartige Behandlungen nicht erstatten.


Ätiologie
Ursache, Auslösung einer Erkrankung.


atraumatisch
gewebeschonend, ohne Gewaltanwendung; z.B. beim Nähen von Wunden durch spez. Nahtmaterial.


Atrophie
Verkleinerung, Verkümmerung eines Organs bei Nichtgebrauch, Alterung, Krankheit


Atropin
Medikament (Alkaloid); in der Zahnheilkunde zur Hemmung des Speichelflusses angewandt


attached, Attachment
anhaftend, befestigt: in der Zahnmedizin im Zusammenhang mit der Gingiva (Zahnfleisch) an der Zahnwurzel verwandt.


Ätztechnik
besondere (aufwendige) Technik beim Legen von "weißen Füllungen" (meist in Kombination mit UV-Lichthärtung) oder Befestigen von Zahnersatzarbeiten (sog. "Einkleben"). Unbehandelter Zahnschmelz ermöglicht keine dauerhafte Verbindung mit den "weißen Füllungsmaterialien", da er kaum Poren aufweist. Durch Aufbringung einer 30-40%igen Phosphorsäure auf den Zahnschmelz werden die Schmelzprismen und die darum befindliche Substanz unterschiedlich aufgelöst ("oberflächlich entkalkt", Fachbegriff "Etching") und bieten so eine bessere Benetzbarkeit (durch eine größere Oberfläche) für sog. Haftvermittler (Bond). Dadurch ist es möglich - besonders im Schneidezahnbereich - ganze Zahnflächen wieder aufzubauen ("anzukleben"). Da bei der Ä. die Black'schen Regeln sytembedingt aus statischer Sicht vernachlässigt werden können, kann in der Regel zahnschonender präpariert werden. Somit verlieren die traditionellen Kavitätenformen - wie sie vom Amalgam her bekannt sind - bei der Adhäsivtechnik zunehmend an Bedeutung. Unabdingbare Voraussetzung für ein derartiges Vorgehen ist aber eine gute Mundhygiene, da die Füllungsränder nicht mehr ausschließlich in der natürlichen Reinigung gut zugänglichen Bezirken liegen.
Die Ä. wird in jüngster Zeit mit gutem Erfolg auch zum Befestigen von außerhalb des Mundes gefertigten Füllungen und Zahnersatzarbeiten (Keramik-Inlay, Klebebrücke, Veneers) angewandt.
Die modernen Haftvermittlersysteme beschränken sich nicht mehr ausschließlich auf eine Haftung am Zahnschmelz, sondern beziehen die Hauptsubstanz des Zahnes - das Dentin - mit ein. Als 'Nebeneffekt' wird hierbei auch eine - gewollte - Dentinversiegelung erreicht. Zur Verankerung eines 'weißen Füllungswerkstoffes' werden Conditioner, Primer und Adhäsive verwendet:
» Conditioner (Säuren) lösen die Schmelz und Dentinoberfläche an und schaffen Mikrorententionen. (siehe auch unter 'Schmierschicht')
» Primer machen die Dentinoberfläche 'empfänglich' für das Aufbringen von Kunststoffen (Komposites).
» Adhäsive sorgen für die Verankerung des Füllungsmaterials im Dentin ind Schmelz.
Abb. oben: Aufbau einer abgebrochenen Schneidekante mittels Ätztechnik
Abb. unten: Anwendung der Ä. beim Befestigen von Veneers



Audioanalgesie
Schmerzausschaltung durch Geräusche (Musik); Erfolg ist stark von der Psyche der betr. Person abhängig, selten angewandt.


Aufbißaufnahme
spezielle Projektionstechnik beim Röntgen in der Zahnheilkunde zur Darstellung von verlagerten Zähnen oder Fremdkörpern im Kieferbereich


Aufbißplatte
einfaches Behandlungsgerät in der Kieferorthopädie zur Bißentlastung im Seitenzahnbereich


Aufbißschiene
herausnehmbares Behandlungsgerät (i.d.R. aus Kunststoff) bei Kiefergelenksbeschwerden, gelockerten Zähnen, Knirschen, kieferorthopädischer Behandlung usw..


Aufhellung
==> Verschattung.


Aufklärung
unverzichtbarer Bestandteil jeder ärztlichen Tätigkeit über die Art, den Ablauf, die Risiken sowie mögliche Alternativen einer Behandlung; ohne A. und Einwilligung des Patienten ist juristisch gesehen jeder medizinische Eingriff eine strafbare Körperverletzung mit einer damit verbundenen zivilrechtlichen Haftung (Schmerzensgeld). Die gültige Rechtssprechung ist sich bisher nicht einig über den Grad der A.: so soll z.B. über typische Risiken aufgeklärt werden, diese dürfen aber wiederum nicht dramatisiert werden; es gilt der 'schwammige' Grundsatz, daß das Maß der Genauigkeit, mit der aufgeklärt werden muß, im umgekehrten Verhältnis zu dem Maß der Dringlichkeit steht, mit der eine Behandlung indiziert ist. Juristisch bedeutungslos ist die sog. 'Formularaufklärung'; allerdings besteht auch von Seiten des Patienten eine Nachfragepflicht. Lehnt ein Patient aus laienhaftem Unverstand eine Behandlung ab, so muß der Arzt alles versuchen, ihn aus Gründen der Sorgfaltspflicht zur Aufgabe seiner Weigerung zu bringen.


Aufwachstechnik
spez. Technik zum Wiederaufbau der Kauflächen beschliffener Zähne um eine natürliche Gebißfunktion wiederherzustellen.


Augmentation
chirurgische Erhöhung des Kieferkammes zur Verbesserung des Prothesenlagers. Als Aufbaumaterialien können eigener Knochen (häufig nicht in ausreichender Menge verfügbar) oder andere gewebefreundliche Ersatzmaterialien dienen.


Autoimmunerkrankungen
auch Autoagressionserkrankungen; Krankheiten, welche auf einer Antigen-Antikörper-Reaktion beruhen, wobei der Organismus Antikörper gegen körpereigene Antigene (Autoantikörper) gebildet hat; er reagiert dabei aggressiv gegen sich selbst (Autoaggression). Eine der A. ist der Pemphigus.


Autoklav
fest verschließbarer Kessel; sein Inhalt (Instrumente, Operationsmaterialien) wird durch Erwärmung von destilliertem Wasser auf eine Temperatur zwischen 120° und 140° C gebracht (=gespannter Wasserdampf), um so eine Keimfreiheit (Sterilisation) zu bewirken.


Automaton
wenig gebräuchliches Instrument zum Trockenlegen des Unterkiefers und Abhalten der Zunge bei der Füllungstherapie.


Autoplastik
Ersetzen von fehlendem Gewebe (Zahnfleisch) durch Entnahme ähnlichen Gewebes einer anderen Körperstelle.


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mit freundlicher Genehmigung von dental-links.de, Dental Lexikon © by Dr. Claus de Cassan